DETAIL Green

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Feature: 
Nein
Fachzeitschrift für alle Aspekte des nachhaltigen Planens und Bauens
München
erscheint: 
halbjährlich

Nachhaltigkeit in der Architektur bedeutet weit mehr als bloße Energieeffizienz, auch wenn dieser zweifellos eine tragende Rolle gebührt, da sie direkte Auswirkungen auf Ressourcenverbrauch und Klima hat. Doch es wäre falsch, sie isoliert zu betrachten, wie es leider allzu oft geschieht. Verbunden mit Vorschriften, die auf das gedankenlose Verpacken unserer Häuser mit Dämmstoffen zielen, oder mit einer undifferenzierten Solarförderung, die wegen der lieblosen Montage der Anlagen auf Dächer und Fassaden letztendlich die Verschandelung ganzer Dörfer und Städte zur Folge hat, lässt der einseitige Fokus auf die energetische Optimierung die Vorbehalte gegen das »grüne Bauen« unter den Architekten wachsen. Schließlich umfasst eine sinnvoll verstandene Nachhaltigkeit neben all den genannten Aspekten auch die gestalterischen Qualitäten der Architektur oder den Erhalt überlieferter Ortsbilder. Dass Nachhaltigkeit und Baukultur keinen Widerspruch darstellen müssen, belegen zahlreiche herausragende Beispiele im In- und Ausland, nicht zuletzt in Vorarlberg oder der Schweiz. Sie beweisen, dass eine ressourcenschonende und energieoptimierte Architektur nicht notgedrungen als solche auffallen muss, zeigen andererseits aber auch, dass solare Maßnahmen dort, wo es angebracht erscheint, als gestaltprägendes Ausdrucksmittel eingesetzt werden können. Ein Großteil der Gebäude entsteht ohnehin nicht in gewachsenen Ortsbildern, sondern in den gesichtslosen Neubau- oder Gewerbegebieten am Rand der Stadt.

Auf der anderen Seite aber hat sich die Architektur schon immer den vorherrschenden Voraussetzungen angepasst. Gerade das zeigen die immer wieder gern ins Spiel gebrachten traditionellen Bauweisen. So haben veränderte Notwendigkeiten oder zusätzliche Möglichkeiten, hervorgerufen etwa durch das Erschöpfen eines überlieferten oder das unerwartete Auftauchen eines neuen Baumaterials (beispielsweise Dachziegel statt Holz oder Stroh) zu allen Zeiten das Erscheinungsbild von Dörfern und Städten geprägt – ein Erscheinungsbild, das später dann zur »Tradition« verklärt wurde. Aktuell stehen wir wieder vor dramatischen Umwälzungen in der Architektur, und es ist an der Zeit, die Rahmenbedingungen dafür zu definieren.

Im gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang wird die Forderung nach einer umweltgerechten Bauweise zu Recht als riesige Chance für Innovation und Arbeitsplätze gesehen. Doch auch für die Architektenschaft bieten sich ungeahnte Möglichkeiten. Gerade jetzt ist ihre Kreativität, aber auch ihr technisches Know-how gefragt, nach und nach verloren gegangenes Terrain im Bauprozess könnte zurückgewonnen werden. Entscheidend dabei ist, dass sich die Architekten den neuen Herausforderungen stellen, bevor es andere für sie tun.