Stadttheoretisches Forum Düsseldorf

Projekt: 
Neukonzeption und Umbau des Stadtmuseum
2004
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Kurzbeschreibung: 

Ausgangspunkt der Umbauten des Erdgeschossbereichs im Erweiterungsbau des Stadtmuseum Düsseldorf zum "Stadttheoretischen Forum" ist die in der postmodernen Architektur des Erweiterungsbaus angelegte narrative Struktur. Die von Pro qm geplanten Veränderungen beziehen sich auf die gewandelten funktionellen Anforderungen und ihre räumliche Repräsentation. Statt mit einem singulären Entwurf eine geschlossene Gegenerzählung zu etablieren, wurde eine Reihe von Interventionen in der bestehenden Struktur umgesetzt. Die baulichen Eingriffe nehmen Teile der räumlichen Narration auf, verstärken oder verändern sie und verknüpfen sie mit anderen Erzählungen, um die Architektur für eine neue Nutzung einzurichten und für andere alltägliche Praxen anschlussfähig zu machen. Bisheriger Zustand und neue Nutzung bilden gleichzeitig sichtbare, sich kommentierende Ebenen eines sich verändernden Verständnisses von Museumsarchitektur und ihrer sozialen Implikationen.

Die Architektur des Erweiterungsbaus stellt eine exemplarische postmoderne Planung dar. Ursprünglich relational gegen eine als ahistorisch und kontextlos empfundene Moderne gerichtet, hat sich die postmoderne Formensprache zum Planungszeitpunkt des Erweiterungsbaus bereits zu einem Stil verfestigt. Der Bau nimmt geschichtliche und ortsspezifische Bezüge auf und integriert sie stilisiert in die Bauform. "Wir waren [...] darum bemüht, keine historische Substanz zu zerstören, sondern einen Bau zu erstellen, der sensibel Rücksicht auf das Umfeld nimmt." (Stadtmuseum STM 1, Seite 2) Die Architektur will "lesbar" erscheinen und zwischen altem Baubestand und der Stadt der Gegenwart vermitteln. Dabei erscheint die Vermittlung immer auch eine Form von interpretativer Aneignung zu beinhalten.

Die Umbauten von Pro qm unterziehen die im Gebäude angelegten Erzählstränge einer Neubewertung. Bezugsgröße dieser Reinterpretation sind die veränderten funktionalen Anforderungen an ein Museum sowie die diesen zugrundeliegenden gesellschaftlichen Bewegungen. Die Architektur des Museums wird zum Untersuchungsgegenstand über das Museum und über postmoderne Architektur.

So werden durch Anbau und Umgruppierung einzelne Elemente der existierenden Architektur, wie freistehende Bögen, Ausgangspunkte für neue Elemente wie einen Getränkecounter. Die geschwungene Glasfassade wird zum Anlass, das Versprechen transparenter Architektur mit einem kommunalen Plakat-Schaukasten zu realisieren. Voraussetzung der Eingriffe ist eine Klärung der bestehenden Architektur, für die im Lauf der Jahre angelagerten und zum Teil provisorischen Behelfe und Applikationen entfernt werden.

Dies betrifft erstens eine formale Ebene, die durch historisierte Türbogen und Arkaden zum Ausdruck kommt. Auf der stadträumlichen Ebene betrifft dies die Gebäudeform, die den historischen Stadtgrundriss wieder aufnimmt und markiert. Drittens orientiert sich die Raumgliederung an bekannten Vorstellungen, etwa des städtischen Forums, das im zentralen Ibachsaal und den seitlichen Foyers eingerichtet ist. Im Unterschied zum städtischen Platz im Außenraum befindet sich das Museumsforum allerdings im Innenraum, es ist kulturalisiert. Über die verglasten Fassaden sucht das postmoderne Forum eine Verbindung zum Stadtraum aufrechtzuerhalten und wird dabei gleichzeitig ausgestellt.

Eine Verbindung zwischen beiden Untersuchungsgebieten liegt insofern nahe, da Museen zu den prominenten Bauaufgaben der Postmoderne gehörte. Seitdem der Erweiterungsbau des Stadtmuseums geplant wurde, hat sich die Funktion von Museen deutlich gewandelt. Das Selbstverständnis als öffentliche Institution wurde zugunsten eines Museums im Spätkapitalismus verändert, wie es Rosalind Krauss analysiert hat: als unternehmerischer Dienstleister im Wettbewerb mit anderen Unternehmen der Unterhaltungs- und Wissensindustrie. "Die Vorstellung vom Museum als Sachwalter des öffentlichen Erbes ist der Vorstellung vom Museum als einem Unternehmen mit sehr gut vermarktbaren Beständen und Expansionsgelüsten gewichen." (Philip Weiss, "Selling the Collection", in: Art in America Nr. 78, S. 124-131) Die Interventionen des "Stadtpolitischen Forums" greifen dieses veränderte Verständnis als Diskurs auf.