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Edition Stadtmuseum: Berliner Ideen
Schwungvoll und kenntnisreich gelingt diesem "Buch zur Krise" ein befreiender Rundumschlag durch das Berlin-Thema schlechthin: das Schulden-Machen. Von einem der ersten amtlich verbürgten Schuldenmacher im Jahr 1288 über die megalomanischen Gartenbauprojekte eines Hermann Fürst von Pückler-Muskau bis hin zu aktuellen Phänomenen wie Cross Border Leasing und Hertha BSC Berlin - hier bleibt einem nichts erspart! Ergänzt um amüsante Anekdoten von Autoren wie Jan Peter Bremer und mal nützliche, mal absurde Listen und Zitate, erzählt diese Anthologie eine zutiefst unterhaltsame Kulturgeschichte des Berliner Schuldenmachens.Während die Schuldenkrise die Menschen anderswo um ihr Erspartes, ja um ihre Zukunft bangen lässt, hat es der Berliner deutlich besser: Hier in der deutschen Hauptstadt gehört Schulden-Machen seit Jahrhunderten praktisch zum guten Ton. Mal amüsant, mal hintergründig und dann wieder frech und unterhaltsam erzählt dieses Buch zur Krise die aberwitzige Schuldengeschichte Berlins.
Von den Anfängen im 13. Jahrhundert, als sich ein Händler namens Haghedorn auf einem kleinen Boot durch die unwirtlichen Sumpfgebiete an Havel und Spree kämpfte, bis hin zum Berliner Sumpf, der vom investigativen Journalisten Mathew D. Rose unter die Lupe genommen wird, und aktuellen Verschuldungs-Phänomenen wie Cross Border Leasing und Hertha BSC Berlin: Hier wird nichts ausgespart!
Aufgelockert durch amüsante Schulden-Anekdoten von Autoren wie Döblin-Preisträger Jan Peter Bremer und angereichert mit packenden Geschichten von Höhenflügen und jähen Abstürzen, lässt dieses Buch quasi en passant eine Vielzahl an möglichen Beweggründen fürs Schuldenmachen aufscheinen. Da gibt es Fanatiker wie Hermann Fürst von Pückler-Muskau, dem Schulden reines Mittel zum Zweck waren: Er wollte Gärten bauen. Oder Unternehmer wie den Eisenbahnbaron Bethel Henry Strousberg, der einen Systemfehler zur Schaffung unermesslicher Reichtümer nutzte, der jedoch letztendlich, besiegt von seinem eigenen System, in bitterer Armut starb.
Ergänzt um nützliche bis absurde Listen - wofür überhaupt lohnt es sich, Schulden zu machen? Wo sind die Kneipen, in denen man heute noch anschreiben lassen kann? Und was könnte man sich eigentlich von den Schulden Berlins alles Schönes kaufen? - erschließt sich nach und nach, wem Schulden wann warum zu was dienten. Ein Buch, das einen besser verstehen lässt, wieso Schulden seit so langer Zeit aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Frei nach dem Motto: "Wer Schulden hat, der wird gegrüßt".